Einladung zum ökumenischen Gebet

Ökumenisches Gebetsläuten um 19.30 Uhr

Wir möchten Sie herzlich einladen, sich in der Zeit bis zum Weihnachtsfest am ökumenischen Gebet in Zeiten der Corona-Krise zu beteiligen. Täglich läuten in unseren Kirchen die Glocken ab dem 22. November um 19.30 Uhr für fünf Minuten und laden ein zur Stille, zum Gebet für unsere Lieben und für die Menschen auf der ganzen Erde. Als sichtbares Zeichen wird darum gebeten, eine Kerze ins Fenster zu stellen, ein Licht der Hoffnung zu entzünden. Anhängend finden Sie auch ein vorgefertigtes Gebet, das Sie gerne als Vorlage verwenden können.

 
In herzlicher Verbundenheit

Ihre Seelsorger/innen

Treuer und barmherziger Gott, vor Dich bringen wir alles, was uns in diesen Tagen und Wochen bewegt: unsere Sorgen und Ängste, aber auch unsere Hoffnung und Zuversicht. Nach wie vor bestimmt Corona unsere Gefühle, unseren Alltag, unser Zusammenleben. Die kürzer werdenden Tage, die zunehmende Kälte und der aufsteigende Herbstnebel – sie sind wie sichtbare Zeichen der Angst, der Einsamkeit und der Verunsicherung in uns.

Wir bringen vor Dich die vielen Menschen, die sich fürchten, sich mit dem Virus anzustecken, und die sich um das Wohlergehen ihrer Familie und Freunde sorgen;
die darunter leiden, dass sie zu anderen auf Abstand gehen müssen und um ihrer Mitmenschen willen in ihrer Freiheit eingeschränkt sind;
die um ihren Arbeitsplatz bangen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind oder ihre Bildungs- und Berufschancen gefährdet sehen.

Treuer und barmherziger Gott, wir bitten Dich um:

Heilung für alle, die an Corona erkrankt sind, und Zuversicht für ihre Angehörigen;
die Erfahrung Deiner tröstenden Gegenwart für alle alten, kranken und einsamen Menschen;
das Leben in Fülle für alle Verstorbenen, an die wir in dieser Jahreszeit besonders denken;
Kraft für die, die haupt- und ehrenamtlich für andere da sind – in Kliniken, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und Nachbarschaftshilfen;
die richtigen Worte für alle Seelsorgerinnen und Seelsorger, die den Menschen gerade auch in dieser Zeit Deine frohmachende Botschaft zusagen;
Ideenreichtum und Kreativität für alle, die nach Wegen suchen, unsere Kirchen offenzuhalten und Kirche erfahrbar zu machen;
Halt für die, die durch Corona in wirtschaftliche Not geraten sind;
die richtigen Entscheidungen für alle, die in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen;
den Geist der Solidarität und Fürsorge für uns – und alle, die noch dazu unter Krieg und Verfolgung, Terror und Flucht leiden;
die Einsicht, dass jede und jeder von uns sich selbst zurückzunehmen muss, um das Leben anderer zu schützen.

Treuer und barmherziger Gott, Du bist das Licht, das alle Dunkelheiten unseres Lebens erhellt.
Du schenkst Hoffnung und Zuversicht, wenn wir nicht weiterwissen.
Du weckst in uns die Bereitschaft, füreinander einzustehen.
Dich loben und preisen wir alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

Mit allen Christinnen und Christen auf der ganzen Erde beten wir:


Vater unser im Himmel …

Ermutigungstext zum Advent von Christian Engels

Ermutigung für den Advent

Gott ist vertraut mit Licht und Dunkelheit

Die Erfahrung mit den kürzer werdenden Tagen bedrückt viele Menschen jedes Jahr neu. Es wird jetzt schon um fünf Uhr dunkel. Der Abend und die Nächte sind lang. Wir haben Sehnsucht nach dem Frühling und nach Wärme, aber draußen ist es windig und kalt. Die dunkle Jahreszeit, besonders der November, ist eine Herausforderung für unsere Seele. Möchten wir vertraut sein mit der Nacht und der Dunkelheit, oder lehnen wir sie ein Leben lang ab? Möchten wir uns auseinander setzen mit den eigenen Ängsten?
Der Advent wäre dafür eine geeignete Zeit. Er kehrt die dunkle Seite des Lebens und unserer Welt nicht unter den Teppich, sondern möchte gerade, dass sie ans Licht kommt. 
Im Markusevangelium heißt es, dass sich die Sonne verfinstern wird und die Kräfte des Himmels erschüttert werden. Wir dürfen uns damit beschäftigen, dass unser Leben und das Leben unserer Erde einmal zu Ende gehen. 
Das Evangelium sagt uns eindringlich: Seht euch also vor, und bleibt wach!
So eine Weltuntergangsstimmung, die ja auch im Jahr der Pandemie in der Luft liegt, kann uns leicht überfordern und in Traurigkeit, Wut oder andere Gefühle hineinstolpern lassen.

Nehmen wir also nicht direkt die ganze Welt in den Blick, sondern fangen wir ganz klein an mit einer Bestandsaufnahme unserer Gefühle. Wie geht es mir ganz persönlich zu Beginn dieser Adventszeit? Welchen Einfluss haben die Einschränkungen und Herausforderungen der Corona-Zeit auf mein Leben? Wie möchte ich mich auf dieses Weihnachtsfest vorbereiten? 

Ich würde mit einer Aufstellung von Licht und Schatten in meinem Leben beginnen. Was macht mir Freude? Was macht mir Sorgen? Wenn auf beiden Seiten ungefähr gleich viel steht, entspricht das den Gegebenheiten der Schöpfung Gottes. Die Tage und Nächte unseres Lebens sind auf das Jahr verteilt genau gleich lang. Die meiste Zeit der Dunkelheit schlafen wir. Licht und Schatten sind treue Begleiter unseres Lebens, und beide haben ihren Wert und ihren Sinn. Können wir sie als Freunde unseres Lebens annehmen, die Gott uns in der Schöpfung anvertraut hat? Das Evangelium rät uns nicht, die Dunkelheit zu vertreiben, so, als könnten wir den Untergang der Sonne am Ende eines Tages aufhalten. Gerade die Zeit der Dämmerung, die Zeit des Übergangs lädt uns ein zu Besinnung und Gebet. Das einzige, was Jesus seinen Jüngern in diesem turbulenten Geschehen anvertraut, ist der Hinweis: Seid wachsam. Seid wachsam in den Begegnungen mit den Menschen und den Zeichen der Zeit. Seid wachsam, aufmerksam eurem eigenen Innenleben gegenüber. Nehmt die Gedanken und die Gefühle wahr, die euch bewegen und bestimmen. Und bleibt wachsam im Blick auf die Menschen und die Aufgaben, die euch anvertraut sind. Für mich ist das der Dreh- und Angelpunkt meines Glaubens und meines Lebens: Welche Menschen und welche Talente hat Gott mir anvertraut? Was kann ich dazu beitragen, dass mein Licht in der Dunkelheit dieser Welt leuchtet und in meiner eigenen Dunkelheit? 

Dieses wachsame, aufmerksame, achtsame miteinander Umgehen bedeutet auch, geistesgegenwärtig zu sein. Der wichtigste Mensch ist der, der gerade bei mir ist, sagt eine Lebensweisheit, und der wichtigste Augenblick ist gerade jetzt. Das ist der Moment, in dem ich Gott an meiner Seite spüren kann. Er ist vertraut mit Licht und Dunkelheit und teilt beides mit mir.